All diesen Fragen gehen wir auf den Grund! Dazu haben wir ein Video aufgenommen, in dem wir eure Fragen beantwortet und auch Bilder und Videos gezeigt haben. Dieser Blogbeitrag greift nochmal ein paar Punkte davon auf.
Wie entwickelt sich der Kiefer?
Der Säugling (und der Name sagt es ja schon) kommt mit einem aktiven Saug-Schluck-Reflex auf die Welt, d.h. werden die Lippen berührt, beginnt das Kind reflektorisch zu saugen. Dieser frühkindliche Reflex ist bereits im Mutterleib und bis zum 3. – 4. Lebensmonat aktiv. Danach saugt das Kind willkürlich (= absichtsvoll). Der Reflex stellt das Überleben des Kindes direkt nach der Geburt sicher.
Die Zunge füllt den noch kleinen Mundraum fast komplett aus. Ein Hohlraum entsteht erst bei größeren Kindern. So kann der Säugling am effektivsten die Milch aus der Brustwarze saugen. Durch das Saugen an der Brust formt sich der Kiefer. Der Gaumen ist anfangs noch spitz geformt und wird durch das Ansaugen der Zunge breiter geformt. Also nicht der Schnuller, sondern die Zunge formt den Gaumen! Das wiederum ist nötig, damit später alle Zähne Platz haben und nicht hintereinander oder krumm und schief wachsen.
Auch der Unterkiefer wird durch das Stillen beeinflusst: ein Neugeborenes kommt mit einem sogenannten „Neugeborenen-Rückbiss“ auf die Welt. Das bedeutet, dass es einen Unterbiss hat (wenn auch noch ohne Zähne). Der soll verhindern, dass das Baby mit dem Kinn im Geburtskanal hängen bleibt. Mit dem monatelagen Saugen an der Brust verändert sich die Position des Unterkiefers zum Oberkiefer und die Zähne können ihren Platz im Kiefern finden.
Wer sich für den Kiefer besonders interessiert und sich die Größenverhältnisse des Kiefers anschauen möchte, empfehlen wir folgendes Buch: Kieferorthopädie I (Peter Dietrich)
Braucht jedes Kind einen Schnuller? Was ist, wenn es keinen nehmen möchte?
Grundsätzlich kann man sagen, dass ein voll gestilltes Kind keinen Schnuller braucht. Der Schnuller ersetzt auch nicht das Stillen und muss dementsprechend nicht „brustähnlich“ geformt sein. Allerdings gibt es Gründe, warum Eltern zu einem Schnuller greifen.
Das Saugen beruhigt das Kind und nicht immer kann die Brust sofort zur Verfügung stehen oder ist schon wund. Dann kann ein Schnuller definitiv eine Hilfe sein. Manche Kinder greifen auch zum Daumen. Babys eignen sich Strategien zur Regulierung an- hin und wieder benötigen sie von außen Hilfe.
Wichtig ist hierbei, dass der Schnuller immer mit Bedacht eingesetzt werden soll! Quasi wie ein Medikament: erst, wenn nichts anderes mehr hilft (das Kind also keinen Hunger mehr hat und sich auch nicht anders beruhigen lässt), kann der Schnuller eingesetzt werden. Und dann soll die „Medizin“ ja auch nicht endlos gegeben werden! Wenn ein Kind keinen Schnuller nehmen möchte, ist das in Ordnung! Er ist lediglich ein HILFSMITTEL und sollte bitte nicht aufgezwungen werden.
Leider versucht die Werbung uns glauben zu lassen, dass ein Schnuller zwingend nötig sei und wir uns in unserer Gesellschaft bereits an das Bild „Kind mit Schnuller“ gewöhnt haben. Manche Mamis haben den Schnuller schon vor der Geburt – wir raten euch: lasst das Kind erst einmal auf der Welt ankommen und schaut, was euer Kind braucht. (Ein weiterer Blogartikel zu Regulierungsstrategien der Kinder folgt!)
Wie ist es mit Schnullerketten?
Wir empfehlen, KEINE SCHNULLERKETTEN zu verwenden. Denn diese bewirken, dass der Schnuller immer sichtbar für das Kind ist und eine schwere Schnullerkette gibt Zug auf den Schnuller und somit auch auf die Lippen, Zähne und den gesamten Mund.
Lies gerne weiter in unserem Blogartikel über Schnullerketten.
Welcher Schnuller ist der Richtige?
Für alle Eltern, die sich aus ihren individuellen Gründen FÜR einen Schnuller entschieden haben, möchten wir euch hier die Kaufentscheidung, bei der mittlerweile riesigen Auswahl an Schnullern etwas vereinfachen. Hervorgehend aus einem super guten Fachartikel von M. Furtenbach (2013) haben wir euch eine kleine Liste erstellt, worauf ihr beim Kauf achten könnt:
Der Schaft des Schnullers sollte möglichst schmal und weich sein, um viel Lippenkontakt zu ermöglichen. Wenn der Schnuller noch benutzt wird, wenn bereits die ersten Zähne da sind, hat die Größe des Schafts maßgeblichen Einfluss auf den Biss der Schneidezähne. Je schmaler dieser ist, umso geringer kann der lutschoffene Biss ausfallen (verhindert ihn aber nicht!).
Das Lippenschild sollte flexibel und gerade sein, um möglichst wenig Hautkontakt zu haben und beim Saugen wenig Druck von außen auf die Kiefer zu erzeugen.
Das Saugteil sollte klein, weich und abgeschrägt sein. Wie schon erwähnt hat die Zunge im Mund nur wenig Platz. Ein Schnuller im Mund ist immer ein Störfaktor. Die Zunge kann (egal, wie klein der Schnuller auch sein mag) nie ihre korrekte Position einnehmen: die Zungenspitze befindet sich in Ruhe am Hubbel hinter den oberen Schneidezähnen. Wenn das Kind den Schnuller im Mund immer herumdreht, kann ein symmetrischer Sauger verwendet werden. Vorsicht: sollte euer Kind den gesamten Schnuller in den Mund nehmen, kann er verschluckt werden - dann lieber einen etwas größeren Schnuller kaufen.